Michelrieth aktuell

Michelrieth ist eine kleine Teilgemeinde der Stadt Marktheidenfeld im Landkreis Main-Spessart im bayerischen Regierungsbezirk Unterfranken. Sie erfahren auf dieser Seite jeweils aktuell, wie die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern unter Führung von Landesbischof Johannes Friedrich in diesem Ort tätig ist.  


20.3. / 3.6.2007 - Evangelischer Pfarrer Reinhold Völler ermahnt Katholiken - Zwar ist die römisch-katholische Kirche die Wiege der "Inquisitio", d.h. der "Untersuchungen" gegenüber Andersgläubigen. Doch in unserer Zeit waren es immer wieder die Evangelischen, die sich dieser in Jahrhunderten bewährten Aufgabe der Kirche verpflichtet fühlten. Dies wurde auch bei der Amtseinführung des neuen katholischen Pfarrers im Nachbarort Esselbach deutlich. Während sich die Katholiken in der voll besetzten Kirche über ihren Pfarrer freuten und die Kinder sangen "Du gehörst zu uns", benutzte der evangelisch-lutherische Gemeindepfarrrer den feierlichen Anlass, um in Gegenwart zahlreicher Amtsträger in Politik und Kirche zu klagen, "dass unsere Gegend von einer Sekte betroffen ist. Dies dürfen wir nicht vergessen" (Main-Post, Main-Echo, 20.3.2007). Gedanken an die Reformationszeit wurden wach, als Martin Luther die Politiker ermahnte und z. B. an die Todesstrafe für "Sektenanhänger" erinnerte (die in unserer Zeit natürlich abgeschafft ist, während man Martin Luther jedoch weiter verehrt). Oder Gedanken an die 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts: Damals war es vor allem die Evangelische Kirche, die bei den Regierenden das Verbot religiöser Minderheiten - wie der Zeugen Jehovas und der Neuapostolischen Kirche - einforderte.

PS: Kurz nach dem von der Kirche "dankbar" aufgenommenen Verbot der Zeugen Jehovas im Jahr 1933 kamen die "Zeugen" dann zu Hunderten in den KZs ums Leben bzw. wurden anderweitig "erschossen, erhängt oder geköpft" (Frankenpost, 15.1.1999) - was von der Kirche heute natürlich bedauert wird. Die Zeugen Jehovas werden heute jedoch erneut von der Kirche bekämpft; wie z. B. durch den evangelischen Dekan Michael Wehrwein aus Lohr in der Nachbarschaft von Michelrieth.
(siehe http://ww3.das-weisse-pferd.com/00_04/kirche_bekaempft_zeugen_jehovas.html)

 

3.6. / 16.6.2007 - Evangelischer Pfarrer Michael Fragner wirft Urchristen zu Unrecht vor, über Marktstände neue Mitglieder anzuwerben / Unseriöser Eintritt in die evangelische Kirche - Pfarrer Michael Fragner vom "Beratungstelefon Michelrieth" sprach laut Stuttgarter Zeitung (31.5.2007) davon, dass "Marktstände", an denen Freunde der Glaubensgemeinschaft "Universelles Leben" Brot und Gemüse aus friedfertigem Anbau anbieten, dazu dienen, "neue Mitglieder anzuwerben". Die Stuttgarter Zeitung schreibt weiter: "Das weist der Sprecher von Universelles Leben, Christian Sailer, heute aufs Schärfste zurück: ´Herr Fragner soll doch Tatsachen nennen und nicht nur üble Behauptungen aufstellen.`"Tatsächlich ist in ca. 23 Jahren kein einziger Fall einer solchen angeblichen Anwerbung bekannt geworden.

Während es im Universellen Leben überhaupt keine Mitgliedschaft gibt und auch für den gleichnamigen Trägerverein "Universelles Leben e.V." gar keine Mitglieder angeworben werden, ist die Situation in den Kirchen ganz anders. Die Mitgliedschaft erwirbt man durch den Kircheneintritt. Und dieser wird in der Regel ungefragt mithilfe einer Taufe an Säuglingen vollzogen, und er begründet gleichzeitig eine spätere Kirchensteuerpflicht. Diese Taufe wird sogar als "heilsnotwendig" erachtet, und Ungetaufte seien nach kirchlicher Lehre deshalb ständig von einer angeblichen "ewigen Verdammnis" bedroht. Deswegen werden manche Taufen auch aus Angst um das Seelenheil durchgeführt bzw. zur "Sicherheit", falls die kirchliche Lehre - entgegen den Vermutungen der Leute - doch stimmen sollte.

Würde eine kleinere Gemeinschaft auf ähnliche Weise Mitglieder rekrutieren, würden das sofort die heftige Kritik der Kirchenvertreter hervorrufen. Nur bei sich selbst halten sie dies für "in Ordnung". Und es kommt noch etwas hinzu: Ein Kirchenaustritt wird - was die meisten Menschen nicht wissen - von den beiden Großkirchen nicht wirklich anerkannt. Auch der Aussteiger wird aus geistiger Sicht weiter als Glied der Organisation betrachtet, was - gelinde gesagt - unseriös ist und deshalb auch als typisches Merkmal von "totalitären Sekten" gilt. Nur von der Kirchensteuerpflicht könne man sich laut kirchlicher Lehre befreien.
Lesen Sie dazu hier, was z. B. der ehemalige Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Johannes Hanselmann, dazu schrieb. Immer mehr Menschen treten deshalb lieber gar nicht erst in die Kirche ein und muten dies auch ihren Kindern nicht zu.

 

18.6.2008 - Evangelischer Mesner verlangt vom Stadtrat Mithilfe bei der kirchlichen Inquisition - Thomas Müller, der Mesner und einer der Wortführer in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Michelrieth, findet sich nicht damit ab, dass einige staatliche Behörden Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen gleich behandeln und deren Glauben öffentlich nicht schlecht machen. Der engagierte Kirchenmitarbeiter, der auch an zentraler Stelle im stattlichen kirchlichen Wohngebäude neben der evangelischen St.-Michaels-Kirche wohnt, beruft sich in einem in der Main-Post am 18.6.2008 veröffentlichten Leserbrief dabei auf ein Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs aus dem Jahr 1993. Demnach gelten die von den Betroffenen als böse Verleumdung und Diskriminierung religiöser Minderheiten erlebten kirchlichen Stellungnahmen als "nicht strafbare" Meinungsäußerungen (siehe hier), solange diese von den Gerichten nicht als unzulässige Schmähungen gewertet werden. So appelliert der Mesner an den Stadtrat von Marktheidenfeld im Hinblick auf die urchristliche Gemeinschaft "Universelles Leben": "Wann, frage ich, äußert sich der Stadtrat kritisch zu dieser Organisation oder geht auf Distanz zu ihr?"
Die Urchristen im Universellen Leben sind staats- und gesetzestreu und vertreten aktiv die Werte der Demokratie, die auch mit den urchristlichen Prinzipien Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Einheit und Gerechtigkeit übereinstimmen. Hinter Thomas Müller steht jedoch das evangelische Vorbild Martin Luther, der z. B. für andersgläubige Prediger zu seiner Zeit die Todesstrafe forderte. Sogar Bürgern, die diese Leute nicht denunzieren und verraten, droht der evangelische Reformator in seiner Auslegung des 82. Psalms die Todesstrafe an.
Luther wörtlich: "Und ein Bürger ist schuldig, wo solcher Winkelschleicher (= Prediger ohne amtskirchlichen Auftrag) einer zu ihm kommt, ehe er denselbigen hört, dass er es seiner Obigkeit ansage und auch dem Pfarrherrn, des Pfarrkind er ist. Tut er das nicht, so soll er wissen, dass er als ein Ungehorsamer seiner Obrigkeit wider seinen Eid tut und als ein Verächter seines Pfarrherrn (dem er Ehre schuldig ist) wider Gott handelt, dazu selbst schuldig ist und gleich auch mit dem Schleicher (= Anm.: der hingerichtet wird) ein Dieb und Schalk wird ..." (Der 82. Psalm durch D. M. L., geschrieben und ausgelegt Anno 1530, Tomos 5, S. 74 b ff.).


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zur Auseinandersetzung der Kirche mit religiösen Minderheiten

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