Willkommen auf der Internetseite in Michelrieth

Michelrieth ist eine kleine Teilgemeinde der Stadt Marktheidenfeld im Landkreis Main-Spessart im bayerischen Regierungsbezirk Unterfranken. Sie erfahren auf dieser Seite, wie die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern unter Führung von Landesbischof Johannes Friedrich in diesem Ort tätig ist.

  1. Michelrieth ist beispielhaft

  2. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern hat das Problem früh erkannt

  3. Der Dienstauftrag der Kirche

  4. Was kann man bei Aussteigern tun?

  5. Was bei Rückschlägen getan werden kann

  6. "Sündige tapfer, aber glaube noch tapferer!"

  7. Methoden zeitgemäßer Apologetik und "Inquisitio"

  8. Die Volkskirche braucht Informationen über Andersgläubige

  9. Hilfe durch die Medien

10. Die Kraft der Meinungsäußerung

11. Mit der Bibel

12. Welche Anschuldigungen eine große Wirkung haben

13. Die traditionelle Ordnung ist gefährdet

14. Der geistige Kampf
 

1. Michelrieth ist beispielhaft

Die Evangelische Kirche in Deutschland hat seit Ende des Zweiten Weltkriegs über die Hälfte ihrer Mitglieder verloren. Damit wurde die durch kirchliche Tradition geprägte Form des Zusammenhalts in der Gesellschaft zunehmend ausgehöhlt. Gottesdienstbesuche an kirchlichen Feiertagen, Kindertaufen, Konfirmationen, kirchliche Trauungen und ein Begräbnis mit Pfarrer wurden immer weniger als Selbstverständlichkeit wahr genommen. Die Zahl der Kirchenaussteiger nimmt ständig zu. Und die Anzahl der verstorbenen Kirchenmitglieder pro Jahr übersteigt schon seit längerem die Zahl der Säuglinge, die von der Kirche als neue Mitglieder willkommen geheißen werden. Auf diese Weise verlieren beide in Deutschland angestammten großen Kirchen im Jahr ca. eine Viertelmillion Mitglieder. Der kleine Ort Michelrieth steht stellvertretend für diese Problematik. Denn dort ist bereits Wirklichkeit, was anderen Orten noch bevorsteht. Denn in Michelrieth liegt die Zahl der Bürger ohne Kirchenmitgliedschaft schon bei ca. 50 % der Bevölkerung, also deutlich höher als in anderen Städten und Gemeinden im kirchlich geprägten Westen Deutschlands.


2. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern hat das Problem früh erkannt

Schon vor ca. 40 Jahren hat der damalige evangelisch-lutherische Landesbischof Hermann Dietzfelbinger das Problem einer schleichend sterbenden Kirche erkannt und Gegenmaßnahmen eingeleitet. Besonders problematisch aus kirchlicher Sicht waren diejenigen Kirchenaussteiger, die sich zu neuen Gruppierungen und Gemeinschaften zusammen schlossen. Viele von ihnen brüskierten schon damals die Kirche, indem sie z. B. die Gründe für ihren Kirchenaustritt öffentlich bekannt machten.

Die evangelisch-lutherische Dorfkirche in Michelrieth - Viele Jahrhunderte lang besuchte wenigstens ein Mitglied jeder Familie den Sonntagsgottesdienst. Von den Neubürgern, die seit den 80er-Jahren zugezogen sind, ließen sich die meisten jedoch nicht ein einziges Mal dort blicken, obwohl die Stadt Marktheidenfeld sehr großzügig sowohl die Innen- als auch die Außenrenovierung der Kirche mit finanzierte. Die Neubürger interessiert also nicht einmal, was auch mit ihren Steuergeldern bezahlt wurde. Sie fühlen sich stattdessen dem Universellen Leben (von der Kirche UL genannt) zugehörig, deren Anhänger sich in normalen Versammlungsräumen ohne Kanzel, Altar und Orgel treffen (sie haben die traditionelle neobarocke Kirchenorgel durch ein Klavier ersetzt), und vor denen die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern immer wieder warnt.

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern hat hier als erste Kirche in Deutschland die Zeichen der Zeit erkannt. Weil die innere Kraft der Kirchen nicht mehr ausreichte, um zahllosen Gottsuchern eine geistige Heimat bieten zu können, war der Zeitpunkt gekommen, um wirksame Gegenmaßnahmen gegen die damaligen „Jugendreligionen“ zu ergreifen. So berief die evangelische Kirche in Bayern 1967 einen Beauftragten für Sekten- und Weltanschauungsfragen“, den streitbaren Pfarrer Friedrich-Wilhelm Haack. Alle anderen Kirchen folgten diesem Beispiel im Laufe der nächsten Jahre, und die evangelischen Kirchen übten dabei eine Vorreiterrolle gegenüber der katholischen aus. Da die beiden großen Kirchen in der Gesellschaft auch zunehmend unglaubwürdiger wurden, versuchten die kirchlichen Sektenbeauftragten von Anfang an, auch die Glaubwürdigkeit der neuen Gemeinschaften zu erschüttern. Ein Rückblick auf viele Epochen der fast 2000-jährigen Kirchengeschichte beweist den Erfolg dieser Strategie. Ohne den geistigen Angriff auf jeweils konkurrierende Lehren hätte die Kirche niemals ihren religiösen Führungsanspruch in Deutschland bis heute erfolgreich behaupten können.

Pfarrer Haack bewies dabei als erster die Unerschrockenheit und den Mut, an eine Tradition anzuknüpfen, die gerade in unserer – von religiöser Vielfalt und Ansehensverlust der Kirchen geprägten – Zeit unpopulär geworden ist. Nichtsdestotrotz ist diese Tradition gerade auch für die einzelnen Kirchengemeinden vor Ort von großer Bedeutung. So schrieb Pfarrer Haack am 30.4.1986 an einen kritischen Beobachter seiner damaligen Arbeit: „Wenn Sie bei mir auf  Inquisition tippen, dann liegen Sie natürlich richtig! Sehen Sie, auch die Inquisition ist moderner geworden ...“, und er wies darauf hin, dass es dabei heute nicht mehr so schlimm wie in früheren Jahrhunderten zugeht, wo Beschuldigte gefoltert und umgebracht worden waren, was der Inquisition ja einen überwiegend schlechten Ruf eingebracht hat.

So war auch die Kirche in Michelrieth bei den Hexenverfolgungen in der Grafschaft Wertheim (zu der Michelrieth gehörte) aktiv, und es kam gerade in unserer Grafschaft von 1578-1690 bedauerlicherweise zu Hunderten von Verbrennungen bzw. Hinrichtungen. So wies der Historiker Robert Meier z. B. nach: „Während in Würzburg 1628 die Hexenprozesse zum Stillstand kamen, erreichten sie in Wertheim mit der Verfolgungswelle der Jahre 1629-1634 ihren Höhepunkt.“ Und wer war damals verantwortlich? Der Historiker Meier schreibt: „Zuständig für Malefizvergehen waren zunächst die Zenten, eine aus dem Mittelalter stammende Hochgerichtsspezialität.“ Und: „Hexenprozesse vor Zentgerichten gab es in den Zenten Michelrieth und Remlingen“ (historicum.net, 13.3.2003).

Doch trotz alledem kann hinzugefügt werden: Auch früher war die Inquisition besser als ihr Ruf. So erklärte der heutige Papst Benedikt XVI. noch als Joseph Kardinal Ratzinger im Jahr 2005: „Aber man muss doch sagen, dass Inquisition der Fortschritt war, dass nichts mehr verurteilt werden durfte ohne Inquisitio, das heißt, dass Untersuchungen statt finden mussten“ (Monitor, 3.3.2005).

Zudem sorgte die Kirche Jahrhunderte lang auch anderweitig für die Ordnung im gesellschaftlichen Leben: So wurde z. B. 1594 die Frau des Hirten Lauer und der Bürger Hans Gren wegen Ehebruchs an die Michelriether Kirche gefesselt, was andere Bürger vom Sündigen abschrecken sollte.
Bedrohlicher als diese persönlichen Sünden waren für die Kirche jedoch immer Abweichungen vom Glauben der Kirche, der in ihren Bekenntnisschriften verbindlich und feierlich festgelegt wurde. Deswegen gibt es diese Untersuchungen, von denen der Papst im Jahr 2005 sprach, eben seit den Zeiten der frühen Inquisition im Mittelalter.


3. Der Dienstauftrag der Kirche

In unserer Zeit konnte Pfarrer Friedrich-Wilhelm Haack aber nicht einfach die früheren Methoden kopieren. Doch ging es früher wie heute zunächst um „Untersuchungen“. Und so sind die „Untersuchungen“ von Pfarrer Haack und seiner Nachfolger sozusagen der Kern dieses Dienstauftrags zum Wohle der Kirche. Denn der Pionier der „Sektenaufklärung“ lehnte es ab, Andersdenkende bloß aufgrund ihres Glaubensbekenntnisses zu verurteilen und gegebenenfalls kirchliche, staatliche oder gesellschaftliche Maßnahmen gegen sie einleiten zu lassen. (Dazu gehört z. B., ihnen die Ausübung von Gewerben zu untersagen oder Anzeigenwerbung verbieten zu lassen oder das Mieten von Veranstaltungsräumen zu verhindern und vieles dergleichen mehr.) Die kirchlichen Beauftragten wollen darüber hinaus untersuchen, ob diese Gruppen auch tatsächlich gefährlich für die Kirche, und damit auch für den Staat und die Gesellschaft sind, welche ja seit Jahrhunderten durch die Kirche geprägt wurden. Und der Pionier Haack hat sich mehrfach dagegen gewehrt, dass er es dabei mit der Wahrheit nicht sehr genau genommen habe. Allerdings waren der erste „Sektenbeauftragte“ und seine Nachfolger nicht immer Männer der einfachen Wahrheiten nach dem Motto 1+1=2. Bei ihnen kann eine Wahrheit dem Betrachter auch teilweise verborgen bleiben und eingehüllt in das „Geheimnis Gottes“, so wie es die Kirche seit ihren Anfängen predigt.

Seit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 war Michelrieth auch von Amts wegen ein evangelischer Ort. Was ist jedoch, wenn die Mehrheit der Bürger gar nicht mehr das evangelische Glaubensbekenntnis spricht? Was wird dann aus dem geschichtlichen Erbe des Augsburger Religionsfriedens? Weil sie diesem Erbe verpflichtet ist, hat die evangelisch-lutherische Pfarrei Michelrieth deshalb nach wie vor den gesamten Ort und alle seine Einwohner im Blick, und nicht nur die Evangelischen. Denn die Kirche glaubt fest: Wer einmal katholisch oder evangelisch getauft worden ist, kann diesen "Bundesschluss" niemals rückgängig machen, auch wenn er später aus der Kirche austritt. Er würde trotzdem immer ein Teil der Kirche bleiben.

In Michelrieth ist es nun so, dass etwa die Hälfte der Einwohner stark von urchristlichem Gedankengut geprägt ist. Weiterhin distanzieren sich diese Einwohner laut vernehmbar von der problematischen Vergangenheit der Amtskirchen, über die es in den letzten ca. 30 Jahren in Deutschland verstärkt Veröffentlichungen gab. Auch gegen das Anwachsen dieser kirchenkritischen Tendenzen verwahrten sich Pfarrer Haack und seine Mitstreiter und deren Nachfolger innerhalb der Kirchen heute. Und sie greifen dabei auch auf das Mittel der Apologetik (Verteidigung des Glaubens und des kirchlichen Lebens gegen Abweichungen) zurück, das sich im Zusammenspiel mit der „Inquisitio“ (Untersuchung der anderen Überzeugungen) im Laufe der Kirchengeschichte immer wieder bewährt hatte. Zu den apologetischen Mitteln gehört es z. B., Vorwürfe gegen die Kirche – wenn möglich, ohne auf Einzelheiten einzugehen – pauschal zurück zu weisen und umgekehrt – so pauschal wie möglich – Vorwürfe gegenüber dem Kirchenkritiker zu erheben. Hier reicht es meistens schon, wenn man sagt, er stehe mit einer „Sekte“ in Verbindung. Dann kann man sich eine mühsame inhaltliche Auseinandersetzung in der Regel ersparen.


4. Was kann man bei Aussteigern tun?

Die Apologetik gewinnt auch dadurch an Bedeutung, da der heutige Staat die Möglichkeit der Kirchen zur Wahrung ihres angestammten Besitzstands gegenüber früheren Jahrhunderten erheblich einschränkt. Dies hat damit zu tun, dass durch US-amerikanischen Einfluss in der Nachkriegszeit eine unreflektierte Religionsfreiheit“ in das deutsche Grundgesetz aufgenommen wurde. Damals konnte freilich noch keiner ahnen, dass sich bald auch andere Gruppen als die beiden in Deutschland ansässigen Kirchen darauf berufen würden.
Und so ist es auch für die Menschen im Dienst der Justiz nicht mehr unbedingt selbstverständlich, im Sinne ihrer Kirche zu entscheiden, der sie bei ihrer Firmung oder Konfirmation die Treue versprochen haben – auch das ein Zeichen zunehmender Verunsicherung des einzelnen in einer von Meinungsvielfalt im großen und ganzen überforderten Gesellschaft.

Auf den ersten Blick deutet noch kaum etwas darauf hin, was sich im Wohngebiet links von der Dorfkirche in den letzten Jahren getan hat. Wenn man genau hinsieht, entdeckt man jedoch links bereits ein Haus mit zwei halbrunden Fenstergiebeln. Hier orientierte sich der Bauherr nicht an der in Michelrieth bisher üblichen altfränkischen Eckbauweise. Er ist - wie viele andere - ein Kirchenaussteiger, welcher den Charakter des Dorfes unmerklich verändert. Eine Bürgerinitiative unter Führung des Mesners der Kirchengemeinde hatte auf einer Karte einmal alle Häuser markiert, in denen diese Leute wohnen. Erst dadurch wurde vielen die drohende Überfremdung durch Menschen anderen Glaubens bewusst. Schon Martin Luther sah darin eine Bedrohung der öffentlichen Ordnung.

Es bedurfte deshalb großer finanzieller und personeller Anstrengungen, um die Öffentlichkeit gegen so genannte „Sekten“ und religiöse Minderheiten einzustimmen, in welchen sich immer mehr „Aussteiger“ zusammen finden, welche die Kirche verlassen haben.
Die wirkungsvollste Methode ist die stetige Verwendung dieses negativen Begriffs. Zwar wird in der Bibel über die Urchristen und Nachfolger Jesu als der „Sekte des Nazareners“ (Apostelgeschichte 24, 5) gesprochen. Doch die Kirche hat in den Jahrhunderten ihres beharrlichen Dienstes diesen Begriff einheitlich mit einer ausschließlich negativen und abschreckenden Bedeutung besetzt. Damit ist es ihr gelungen, dass sie selbst und die Vertreter von Staat und Gesellschaft jeweils mit klaren Vorgaben arbeiten konnten. Denn auch im Glaubenskampf bewahrheitete sich die Wahrheiten in alten Sprichwörtern, welche z. B. lauten: „Steter Tropfen höhlt den Stein“ (Kritik, Anschuldigungen und Verdachtsmomente immer wiederholen). Oder: „Irgendetwas (der Kritik, Vorwürfe oder Vermutungen) bleibt immer hängen.“
Der evangelische Theologe Haack, der sich als Pionier und „Vater“ dieser Bewegung in unserer Zeit sehr viele Verdienste für seine Kirche erworben hat, ist allerdings schon im Jahr 1991 verstorben. Die Probleme, denen er sich stellte, haben jedoch seither noch zugenommen.


5. Was bei Rückschlägen getan werden kann

Dabei kamen Rückschläge ausgerechnet aus den Reihen der Kirche selbst. So haben kirchliche Amtsträger durch unvorteilhaftes oder falsches Verhalten (Sexueller Missbrauch von Kindern, finanzielle Veruntreuungen, Ehebruch, Totschlag, Selbstmord, Egoismus) in den letzten Jahren vielfach dazu beigetragen, dass das Vertrauen der Menschen in die Kirche noch weiter abnahm (So hat sich zuletzt z. B. der für Michelrieth zuständige katholische Dekan, der auch Bischof Friedhelm Hofmann von Würzburg bei der Leitung der Diözese unterstützte, umgebracht, indem er sich vor einen Güterzug geworfen hat. Es wurde in der Lokalpresse berichtet, dass ein ehemaliger Ministrant die homosexuelle Beziehung mit ihm beenden wollte). Aus allen diesen Verfehlungen erwuchs nun ein neuer und ganz praktischer Aspekt der Arbeit kirchlicher Sektenbeauftragter: Es galt und gilt u. a., negative Verhaltensweisen dort aufspüren zu können bzw. – wenn dies nicht möglich ist – gezielt dort zu platzieren, wo der Kirche Gefahr droht. Und das sind nicht die eigenen Reihen – im Gegenteil: Denn die Kirche steht trotz aller Verbrechen und Schwachheiten ihrer Glieder für das von ihr geglaubte „Heil“ ein. Deshalb kommt es für sie in solchen Situationen darauf an, negative Auswüchse in unserer Gesellschaft vor allem dort zu suchen, wo das durch die Kirche vermittelte „Heil“ nicht angenommen und die Menschen in ihrem von Kind an anerzogenen Glauben verunsichert werden. Und das ist nun mal bei den neuen religiösen Bewegungen.


6. "Sündige tapfer, aber glaube noch tapferer" (Martin Luther)

Rechts von der Kirche hat sich das Dorf noch weitgehend seinen ursprünglichen Charakter bewahrt. Doch auch hier kann man nicht sicher sein, wer morgen zuzieht. Um dieser besonderen Lage gerecht zu werden, hat die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern schon früh zwei Pfarrer (statt bis dahin einen) beauftragt, sich um die Pfarrei und um das gebietsmäßige Revier der Pfarrei zu kümmern.

Dieses oben dargelegte Vorgehen bei Rückschlägen hat eine wichtige theologische Bedeutung. Ein Pfarrer oder ein Mitarbeiter der Kirche lebt nämlich laut der Lehre der Kirche in der „ständigen Vergebung“. Deshalb darf er sich freuen, weil er als einer, der „tapfer sündigt“ (nach Martin Luther: „Pecca forte“ = Sündige tapfer), allein von dem Gott, an den er glaubt, auch die Gerechtigkeit empfängt. Und dies, so die Evangelische Kirche, geschieht allein durch Glauben (wiederum nach Martin Luther: „Fide fortius“ = Glaube noch tapferer). Die Anhänger der Gemeinschaften außerhalb der Kirchen versuchen jedoch im Gegensatz dazu, aus eigener Kraft gute Menschen zu sein, Nächstenliebe zu üben und sich an die Gebote Gottes zu halten. Oder aber sie behaupten, Gott oder Christus wäre „in“ ihnen und auch „in“ allen Lebensformen, und er würde ihnen dabei helfen, Gutes zu tun. Damit missachten sie jedoch den Gott, an den die Kirche in unserem Kulturkreis glaubt und an dem sie aus gutem Grund festhält. Und dieser Gott lässt sich eben nicht im Grund unserer Seele finden, wie es Kirchenaussteiger von ihrem Gott behaupten. Sondern dieser Gott hat den Menschen nun einmal „böse“ gemacht hat „von Kindesbeinen an“ (siehe 1. Mose 8, 21), damit der Mensch selbst nichts zu seiner Erlösung beitragen könne, so wie es im Bekenntnis der evangelischen Kirche seit Jahrhunderten gelehrt und geglaubt wird.
So ist auch die Lehre von der Erbsünde einer der Kernpfeiler des evangelischen Glaubens. Es handelt sich dabei um eine Sünde, die alle Menschen als Neugeborene erben und die ihnen wie eine tatsächliche schwerste Schuld angerechnet wird, weswegen verstorbene Kinder, die nicht kirchlich getauft waren, ja leider auch nicht in die Fülle des Himmels eintreten können. Den anderen Kinder jedoch wurde bei ihrer Taufe die Tod bringende Erbsünde vergeben, weswegen sie zurück in den Himmel dürfen. So lehrt es die Kirche, und deswegen hat sie ja auch das Gnadenmittel der „Nottaufe“ eingeführt. Das hat zwar zugegebenermaßen – wie manches andere auch – nichts mehr mit Jesus zu tun, doch die Kirche hat die Verantwortung wahrgenommen, die Lehre von Jesus – wo ihr dies notwendig erschien – zu ergänzen.
Zu diesen bedeutsamen Weiterentwicklungen gehört auch der zweite notwendige Kernpfeiler des evangelischen Glaubens, die Erlösung allein aus Glauben, während Jesus noch schlicht vom „Halten der Gebote“ gesprochen hatte. Doch die Erfahrungen in Kirche und Gesellschaft haben eben gezeigt, dass es nicht so ohne weiteres möglich war, die Gebote zu halten. Deswegen fiel in Deutschland vor allem die evangelische Lehre vom „Heil allein aus Glauben“ auf fruchtbaren Boden. Und deshalb wird unser Land ja im Ausland bis heute noch vielfach als das „Land der Reformation“ betrachtet.

Wer aber aus diesem Rahmen hinaus tritt, der ist nach Martin Luther und der Lehre der Evangelisch-Lutherischen Kirche ein „Irrlehrer“ – mit allen negativen Konsequenzen, die denkbar sind – bis hin zur Hölle für alle Ewigkeit. Diese strengen Worte mögen in unserer Zeit der Beliebigkeit sehr unpopulär sein, doch sie dürfen nicht verschwiegen werden. Denn es gehört zu dem, wofür die Kirche immer eingestanden ist und wofür sie nicht aufhören wird, einzustehen.


7. Methoden zeitgemäßer Apologetik und "Inquisitio"

Hinter der Baumreihe in der Bildmitte erstreckt sich die HG (= Haus der Gesundheit) Naturklinik in Michelrieth, die von Anhängern des Universellen Lebens betrieben wird. Menschen aus aller Welt kommen als Patienten offenbar sehr gerne in dieses Haus. Und sie gehen dann auch in den Straßen, in den schön angelegten Wiesen der Klinik und in den umliegenden Wäldern spazieren. Am Sonntagvormittag in der Dorfkirche lässt sich aber kaum jemand von diesen Gästen blicken. Haben sie etwa den Zuspruch des Pfarrers und die Hostie beim Abendmahl nicht nötig?

Im Dienste dieser im Bekenntnis der Kirche festgelegten Wahrheit ist es nun immer auch eine Methode von Apologetik und „Inquisition“ gewesen, kirchliche Missstände und Vergehen in irgendeiner Weise abzuwehren. Dies ist vor allem deshalb geschehen, damit die dahinter stehende Reinheit der wahren Kirche keinen Schaden nimmt. Und hier war nun immer im Einzelfall zu prüfen: Kann ein Missstand oder ein verabscheuungswürdiges Verhalten innerhalb der Kirche gezielt auf Kirchenaussteiger projiziert werden, evtl. nur als Verdacht oder Vermutung? Dies ist vor allem dort geschehen, wo diese Leute zuvor die Kirche aus zweifelhaften Beweggründen zum Gegenstand öffentlicher Kritik machten. In diesem Zusammenhang traf die Reaktion der Kirche also sicher keinen Unbeteiligten.


8. Die Volkskirche braucht Informationen über Andersgläubige

Notwendig dabei war und ist allerdings immer ein irgendwie gearteter Anknüpfungspunkt. Für eine Legalität braucht es zumindest eine Vermutung oder, besser noch, einen Sachverhalt, der im Sinne des Vorwurfs gedeutet werden könnte. Nur dann lassen die staatlichen Gerichte die Anschuldigung als legale „Meinungsäußerung“ gelten. Und hier war es wiederum Pfarrer Friedrich-Wilhelm Haack, der einst das gesamte evangelische und katholische „Volk“ zusammenrief, um nach solchen Anhaltspunkten im Umfeld der Aussteiger zu suchen. So startete die bayerische evangelische Landeskirche schon im Jahr 1967 die erste landesweite „Sektenumfrage nach dem Krieg, und Pfarrer Haack als Initiator begeisterte vor allem Jugendliche dafür, ihren detektivischen Spürsinn in den Dienst ihrer Kirche zu stellen. Wörtlich schrieb er damals: „Zur Beschaffung von Informationen empfehlen sich besonders Oberschüler und Jugendkreise. Diese kommen oft besser an die notwendigen Informationen heran als die Kirchenvorsteher“ (Nachrichten der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Jahrgang 1967, S. 327).
Schoss und schießt man dabei über das Ziel hinaus oder sammelte man mehr Vermutungen als irgendwie verwertbare Fakten, hat das jedoch dem Anliegen nicht geschadet. Denn man lenkte einerseits den Blick von den Vergehen in der Kirche wieder weg und stellte dort erneut deren wesensmäßige Botschaft ins Zentrum. Und andererseits half man mit, die Ketzer“ unserer Zeit zu benennen, von denen allgemein bekannt ist, dass sie freundlich sind und ihnen meist die Nächstenliebe am Herzen liegt. Zudem war man als „tapferer Sünder“ ohnehin geheiligt und stand unter der üblichen „immerwährenden Vergebung“.

Der Eingang der Naturklinik - Um der erfolgreichen Kombination von Schulmedizin, Naturheilkunde und Angeboten urchristlicher Lebensberatung, die dort ausgeübt wird, etwas entgegenzusetzen, hat nun der Strömungsbeauftragte der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Bernhard Wolf, einen Arbeitskreis für geistiges Heilen gegründet. Die Kirche schaut also nicht untätig zu, wenn andere etwas für die Gesundheit der Menschen tun.

Martin Luther misstraute sowieso allen „guten Werken“, und er äußerte einmal folgenden Verdacht im Hinblick auf eine der damaligen religiösen Minderheiten: „Tun sie aber etwas Gutes, so wisse, dass es nicht aus Liebe noch dir zugute geschieht; sondern weil sie Raum haben müssen, bei uns zu wohnen, müssen sie aus Not etwas tun“ (zit. nach Landesbischof Sasse, Martin Luther über die Juden: Weg mit ihnen!, Freiburg 1938, S. 5-6). Dies war vor allem auf die Juden bezogen, die für Martin Luther die Fremdkörper in den Dörfern und Städten waren, die er damals dort nicht dulden wollte. Heute gibt es aber anteilmäßig an der Bevölkerung ja nicht mehr so viele von ihnen wie zu der Zeit von Martin Luther oder Landesbischof Sasse, und die Kirche hat jetzt auch keine Probleme mehr mit ihnen. Anders ist das bei anderen Gruppen, die sich nicht in die Kirche einordnen wollen, den so genannten neureligiösen Bewegungen, die vor allem von ehemaligen Kirchenmitgliedern Zulauf erhalten. Und dies kann man auch einmal in einen größeren Zusammenhang stellen: Wie muss das wohl für einen Menschen sein, der von einem Kirchenaussteiger Zuwendung, selbstlose Liebe und ehrliche uneigennützige Hilfe empfangen hat! Und dann drüben im Jenseits erkennt er einst, wie massiv dieser Mensch vom überlieferten Glauben abgefallen war. Dabei wird der rechte Glaube schon in der Bibel hoch gehalten, und es heißt dort z. B. wörtlich: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“ (Matthäus 7, 16). Wer also gute Früchte bringt, verrät damit in vielen Fällen, dass er Anhänger einer Sekte ist, denn in ihrer „Not“, so Martin Luther (siehe oben), müssen diese Leute etwas in diese Richtung tun.


9. Hilfe durch die Medien

Der evangelische Pfarrer Haack opferte sich regelrecht dabei auf, diesen aus dem Rahmen fallenden Minderheiten nachzuspüren, und er ist bereits mit 55 Jahren verstorben. Doch er durfte sein Lebenswerk in jüngere Hände legen, und er blickt heute vielleicht aus der jenseitigen Welt hinunter oder herauf auf die Erde und ist stolz, wie es weitergeführt wurde. Sein Nachfolger im Amt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern wurde 1991 Dr. Wolfgang Behnk, der sogar zum Kirchenrat befördert wurde, um seiner Arbeit mehr Gewicht zu verleihen. Er hat bereits zwei Landesbischöfe im Amt „überlebt“ (Dr. Johannes Hanselmann und Hermann von Loewenich), und er steht nun dem noch jungen Landesbischof Johannes Friedrich als Beauftragter zur Seite.

Und durch Dr. Behnk gewann diese Arbeit noch einmal eine neue Qualität. Dr. Wolfgang Behnk hat nämlich wie kein anderer die Möglichkeit der Medien genutzt, um seine Meinung gegen die ehemaligen „Söhne und Töchter“ der Kirche unters Volk zu bringen und in allen Gesellschaftsschichten zu verbreiten. Während es z. B. im Jahr 1617 noch möglich war, unwillige Bürger aus benachbarten evangelischen Orten „mit Prügeln in die Michelriether Kirche zu „treiben“ (so etwa „die Überlieferung des Volksmundes“; siehe www.esselbach-online.de/geschichte), darf heute selbstverständlich kein solcher Zwang mehr angewandt werden. Denn die Zeit hat sich nun mal geändert. Die Kirche hat sich deshalb auf Öffentlichkeitsarbeit spezialisiert.


10. Die Kraft der Meinungsäußerung

Und Kirchenrat Dr. Behnk nutzte dabei das außerordentlich erfolgreiche Instrument der „Meinungsäußerung“. Dies grenzt man juristisch scharf von der „Tatsachenbehauptung“ ab. Die Vorgehensweise ist dann denkbar einfach: Im Konfliktfall erklärt man die Negativurteile gegen Kirchenaussteiger und neue religiöse Gemeinschaften schlicht zu Meinungsäußerungen, nicht zu Tatsachenbehauptungen. Diese juristische „Verpackung“ wird von den Gerichten als „zulässig“ erachtet, so dass dem auf diese Weise Beschuldigten weitgehend die Möglichkeit genommen wird, sich dagegen zu wehren. Die Justiz stellt dabei zwar jeweils ausdrücklich fest, dass es den Wahrheitsgehalt dieser Aussagen (also eines kirchlichen Negativurteils über eine kleinere Gemeinschaft) nicht geprüft habe. Der Bürger ist jedoch nicht in der Lage, Meinungsäußerung und Tatsachenbehauptung in der hier dargelegten Form zu unterscheiden. So wird bei ihm der Eindruck erweckt, ein in eine „Meinungsäußerung“ verpacktes Negativurteil sei deshalb wahr, weil es vom staatlichen Gericht „zugelassen“ wurde. Und diese gerichtliche Zulassung dient der Kirche dann wieder als weiteres Argument, um gegen ihre Gegner in dieser Gesellschaft wirksam vorgehen zu können.

Das Neubaugebiet von Michelrieth - Hier kann man die evangelischen Bürger mittlerweile fast an zwei Händen abzählen. Führungen von Besuchergruppen durch diesen Ortsteil waren aber meistens nicht sehr ergiebig, da die Bewohner sehr arbeitsam und deshalb wenig zuhause sind. Außerdem lassen sie sich nicht gerne bei ihrer Garten- und Hausarbeit fotografieren oder filmen. Diese negative Erfahrung musste schon das eine oder andere Filmteam des deutschen Fernsehens machen, wenn es z. B. zusammen mit dem evangelischen Ortspfarrer den Urchristen einen unangemeldeten Besuch abstatten wollte, um ihnen kritische Fragen zu stellen.

Kaum ein anderer kann diese „Waffe“ wohl so geschickt führen wie der evangelisch-lutherische Kirchenrat Dr. Wolfgang Behnk. So konnte er dann im weiteren Verlauf der Auseinandersetzung z. B. darauf hinweisen, was die Gerichte „festgestellt“ haben. Streng genommen hätte er natürlich sagen müssen, sie hätten es „als Meinungsäußerung zugelassen“. Aber „festgestellt“ klingt natürlich verbindlicher und schlagkräftiger. Und auch die Presse ließ sich hier immer wirkungsvoll einbinden. Berichteten die Medien über den Fall, konnte sich die Kirche hinterher gut auf diese berufen und sagen, die angesehene Zeitung XY habe dies und jenes geschrieben. Genau genommen hat die Zeitung zwar nur wiedergegeben, was der Kirchenmann zuvor gesagt hatte, doch es hat natürlich ein stärkeres Gewicht, wenn man eigens herausstellt, es hätte in der Zeitung XY gestanden. So zitieren die kirchlichen Beauftragten letztlich sich selbst, aber es dient ihrer Sache, und man könnte es „Kreislauf der Apologetik“ nennen.


11. Mit der Bibel

Vielleicht kommt bei diesem Sachverhalt so mancher ins Nachdenken oder gar ins Zweifeln. Zugegeben: „Hund´ seid´s schon!“ könnte man den Weltanschauungsbeauftragten der Kirche auf gut Bayerisch zurufen. Doch Spaß beiseite: Wem diese Methode der Apologetik und der „Inquisitio“ als nicht redlich erscheint, der könnte sie einmal mit dem Bibelwort vergleichen, klug wie die Schlangen sein zu sollen. Und so könnte man weiter folgern: War die Schlange etwa redlich, als sie Adam im Paradies die Frucht anbot, die er nicht essen sollte? Gewiss nicht. Wenn aber schon in der Bibel die unredliche Schlange wegen ihrer Klugheit gerühmt wird, dann lässt sich wohl auch diejenige Form der Klugheit rechtfertigen, die den Bürger vor modernen „Ketzereien“ bewahrt und ihm dabei hilft, in der Kirche auszuharren, in die er als Säugling bei seiner Taufe aufgenommen wurde, als der Pfarrer die dafür festgelegten Worte gesprochen und ihn mit Wasser besprengt hat. Und der ehemalige bayerische Landesbischof Dr. Johannes Hanselmann  (1927-1999) hat eigens darauf hingewiesen, „dass man aus der Kirche ... nicht einfach aus- und eintreten kann wie bei einem Verein“ (Brief an A. Emtmann vom 6.9.1985) und dass der bei der Säuglingstaufe geschlossene „Bund“ mit dem Gott der Kirche „unkündbar“ sei. Die Kirche lässt also im Unterschied zu den meisten anderen religiösen Gemeinschaften einen Menschen niemals wieder frei, auch wenn er austritt. Und sie lässt es sich auch nicht gefallen, wenn „Ketzer“ kommen und diese kirchliche Lehre über die Taufe leugnen oder gar mit Füßen treten. 


12. Welche Anschuldigungen eine große Wirkung haben

Welche Gegenmaßnahmen dabei praktisch ergriffen werden, sei in aller Kürze noch einmal an zwei Beispielen erläutert. Besonders schmerzhaft für die von den kirchlichen Maßnahmen Betroffenen können die Vorwürfe „totalitär“ und „Antisemitismus“ werden, weil sie in unserer Gesellschaft heftige Abneigungsreaktionen hervorrufen. Nun ist es ein offenes Geheimnis, dass ausgerechnet Martin Luther einer der größten Antisemiten der deutschen Geschichte war, was sich die Evangelische Kirche auch bis April 1945 wirksam zunutze gemacht hatte. So bekundete noch am 23.11.1938 der evangelisch-lutherische Landesbischof Martin Sasse aus Eisenach die Freude und Zustimmung zu den Ereignissen der heute so genannten Reichspogromnacht. Landesbischof Sasse schrieb: „Am 10. November 1938, an Luthers Geburtstag, brennen in Deutschland die Synagogen ... In dieser Stunde muss die Stimme des Mannes gehört werden, der als der Deutschen Prophet im 16. Jahrhundert einst als Freund der Juden begann, der getrieben von seinem Gewissen, getrieben von den Erfahrungen und der Wirklichkeit, der größte Antisemit seiner Zeit geworden ist, der Warner seines Volkes wider die Juden“ (Landesbischof Sasse, Martin Luther über die Juden - weg mit ihnen, Freiburg 1938, S. 2).

Ab Mai 1945 hat die Kirche hier aber einen wichtigen Kurswechsel vollzogen. Dies gilt auch für das evangelische Michelrieth. So heißt es z. B. über den bekannten SPD-Bundestagsabgeordneten Hannsheinz Bauer: „Als er, nachdem Hitler im Krieg besiegt war, zu Versammlungen nach Michelrieth (Spessart) zurückkehrte, gehörte der einzige Saal des Ortes dem Land- und Gastwirt A.M., dem ehemaligen NSDAP-Reichstagsabgeordneten(Zeitschrift Ossietzky Nr. 16/2005). Doch „diese ländlichen Gebiete Unterfrankens waren nach dem Verbot der NSDAP gleich in der Hand der CSU. Ein Ortsgeistlicher predigte: ´Wer sozialdemokratisch wählt, kann beim Jüngsten Gericht gleich links raustreten.`“ So versuchte die Kirche immer, die Dorfgemeinschaft möglichst einheitlich zu prägen, je nachdem, welches Bekenntnis die jeweilige Zeit gerade erforderte. Heute wählen aber sogar führende Männer der Kirche SPD oder sie gehören dieser Partei an (wie der Kirchenrat und „Genosse“ Dr. Behnk). Deshalb hat sich das kirchliche Bestreben nach Einheitlichkeit überwiegend auf die Konfessionszugehörigkeit konzentriert. Willkommen sind dabei evangelische oder katholische Bürger, und auf dem evangelischen Friedhof in Michelrieth darf z. B. nur bestattet werden, wer zum Zeitpunkt seines Todes noch evangelisch oder katholisch war. Juden oder Moslems, Kirchenaussteiger oder Anhänger des Universellen Lebens, um nur einige Beispiele zu nennen, dürfen in Michelrieth nicht beerdigt werden. Dies ist ein klares, deutliches und unmissverständliches Signal der Kirchengemeinde an die Bürger des Dorfes, die Kirche nicht zu verlassen. Wer es trotzdem tut, verliert damit satzungsgemäß auch seinen späteren Platz im Familiengrab.
 
Den verbliebenen evangelischen und katholischen Bürgern gemeinsam ist dabei das Bekenntnis zur Bibel. Natürlich sind auch im Neuen Testament der Bibel, das die Kirche für alle Zeiten als Gottes fehlerfreies und verbindliches Wort betrachtet, viele antisemitische Stellen zu finden (z. B. wird gelehrt, die Juden hätten den Teufel zum Vater, Johannes 8, 44). Doch stehen diese heute nicht mehr im Zentrum der kirchlichen Verkündigungsbotschaft. Aus diesem Grund nimmt sich die Kirche auch das Recht, kritische Äußerungen über die israelische Geschichte von Seiten kirchlicher Gegner als „Antisemitismus“ zu verurteilen. Auch schweigt die Kirche nicht, wenn religiöse Minderheiten z. B. davor warnen, dass die gesamte Menschheit einst von großen Katastrophen heimgesucht wird, die diese selbst verursacht haben soll. Da bei dem Wort „Menschheit“ die semitischen Völker einbezogen sind, dürfen sich diese Minderheiten deshalb nicht beschweren, wenn sie von der Kirche folglich als „antisemitische Sekten“ bezeichnet werden.


13. Die traditionelle Ordnung ist gefährdet

Das Neubaugebiet von Michelrieth mit der Naturklinik rechts. Da die Neubürger die Jagd ablehnen und zudem Vegetarier sind (weil sie erklären, das Gebot Du sollst nicht töten gelte auch gegenüber den Tieren), können auch die Jäger im angrenzenden Spessartwald nicht mehr unbeschwert die überzähligen Tiere schießen. Sie müssen z. B. befürchten, dass ihnen Spaziergänger unangenehme Fragen stellen. Und erklang in der Nacht oder der Dämmerung bisher so mancher vertraute Schuss, so wussten sich die Jäger früher getragen von dem Dank von Kirchen- und Bürgergemeinde für ihren Dienst. Ginge es jedoch nach dem Willen der urchristlichen Gemeinschaft, dürften die Jäger überhaupt nicht mehr jagen. Das ökologische Gleichgewicht würde sich nach Ansicht dieser Jagdgegner ohne Waffeneinsatz von selbst einstellen.

Das zweite Beispiel für besonders wirksame Anschuldigungen ist das Wort „totalitär“. Hier kann zunächst darauf hingewiesen werden, wie Martin Luther uns Menschen sieht: Wir haben nach Martin Luther – auch wenn sich Menschen dessen meist nicht bewusst sind – keinen freien Willen, sondern wir sind entweder von Gott oder vom Teufel beherrscht. Kirchenrat Dr. Behnk hat es einmal so erklärt, dass es bei Martin Luther eine totale Verfügungsgewalt entweder von Gott oder vom Teufel über jeden einzelnen Menschen gibt. Und die evangelische Kirche bekennt, dass dieses Bekenntnis Luthers für die entscheidende Frage nach dem rechten Glauben und dem Heil bis heute weiterhin verbindlich gilt.

In dieser also insgesamt unerlösten Situation wird auch ein Staatswesen angestrebt, in dem Staat und Kirche gemeinsam für Ordnung sorgen, damit wir Menschen unter den Bedingungen der „vorletzten Dinge“ (den Ordnungen der Welt) rechtschaffen auf die „letzten Dinge“ (die beiden Ausdrücke „letzte“ und „vorletzte Dinge“ stammen vom Theologen Dietrich Bonhoeffer) warten können, nämlich auf das „Wiederkommen des Herrn der Kirche“. Deshalb sah Martin Luther in Andersgläubigen auch eine Bedrohung dieser Ordnung. Heute nun erklären die im Dorf mittlerweile ansässigen Urchristen, Christus würde wieder durch „Prophetenmund“ sprechen. Doch die Bischöfe und alle kirchlichen Glaubens-Kommissionen lehnen diese so genannten „Botschaften aus dem All“ ab. Die Urchristen halten den angesehenen Theologen der Kirche nun aber umgekehrt vor, machthungrige Intellektuelle zu sein, die von Gott und Christus keine Ahnung haben. Solche Vorhaltungen hat die Kirche jedoch noch nie hingenommen, und sie nimmt diese auch heute nicht hin. Denn mit solchen Worten wird der Glaube der gesamten Christenheit torpediert. Und die Christenheit hat sich nun einmal im 4. Jahrhundert verbindlich und abschließend auf die Bibel als einziges und verbindliches Gotteswort festgelegt, und zwar ohne Wenn und Aber. Das ist ein klarer Widerspruch zu Christus, so wie ihn die Urchristen bezeugen. Und da sich dieser Christus nicht von der Kirche und ihrem in Jahrhunderten gewachsenen Verständnis der Bibel korrigieren lässt, muss er sich zudem den Vorwurf gefallen lassen, ein „totalitäres“ Glaubenssystem aufrichten zu wollen. Dieser Vorwurf wird auch deshalb erhoben, weil sich das Universelle Leben nicht in die ökumenische Weltchristenheit und in deren verbindliches Bekenntnis einordnet, dessen Eckpunkte in den Kommissionen des Vatikan und im Ökumenischen Rat der Kirchen festgelegt wurden. Diese Einordnung ist aber notwendig für alle Gemeinschaften, die von der römisch-katholischen und der evangelisch-lutherischen Kirche anerkannt werden wollen.


14. Der geistige Kampf

Da sich dieser Christus, wie er im Universellen Leben verkündet wird, aber nicht einordnen will, kommt es unausweichlich zum Konflikt und darüber hinaus zu einem geistigen Kampf. Und dieser Kampf wird in dem Dorf Michelrieth stellvertretend für ein ganzes Land ausgefochten. Deshalb lesen Sie hier auf der Internetseite von Michelrieth in Zukunft auch weitere Details über aktuelle Auseinandersetzungen, falls diese bedeutsam sind. Dabei kann man sich grundsätzlich das Wort des Petrus vor Augen führen, der im 5. Kapitel des 1. Petrusbriefes schreibt: „Der Teufel geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, welchen er verschlinge. Dem widersteht fest im Glauben.“ (PS: Ist es in diesem Zusammenhang ein Zufall, dass vor manchem Haus in Michelrieth, in dem Urchristen wohnen, ein Löwe aus Marmor am Eingang wacht?)
Hierzu ist bedeutsam, dass die Pfarrei in Michelrieth seit je mit dem Teufel zu tun hat. So wurde die Dorfkirche im Jahr 1972 eigens von Grafschaftskirche in Michaels-Kirche umbenannt, damit die Gemeinde - wie in Offenbarung 12, 7 ff. geschildert - dauernd ermahnt wird, wie der Engel Michael den „Kampf wider den Teufel“ zu führen, was in den „historischen Eckdaten“ der Pfarrei eigens betont wird. Es ist dann nur jeweils die Frage, wie dies zeitgemäß umgesetzt wird. So führt die Kirche heute - ähnlich wie in Offenbarung 12, 7 ff. beschrieben - den Kampf wider die „Frau und ihr Kind“, was man z. B. auf die Prophetin des Universellen Lebens und die mit ihr verbundene Glaubensgemeinschaft beziehen könnte.


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Und hier weitere grundsätzliche Überlegungen
zur Auseinandersetzung der Kirche mit religiösen Minderheiten

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